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Insekten und ihre Gifte – Eine Quelle potentieller Medikamente (05.12.2017 13:54:04)

Weltweit gibt es heute etwa 950 000 verschiedene Insektenarten. Die Gesamtzahl aller Insektenarten wird auf über 4 Millionen geschätzt (Dossey 2010). Die Anzahl verschiedener Insektenarten ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen (Hallmann et al. 2017).

Viele Insekten produzieren pharmakologisch aktive Substanzen, um sich vor Fressfeinden und Krankheitserreger zu verteidigen oder die Beute außer Gefecht zu setzen. Es gibt verhältnismäßig wenige Studien in Bezug  auf die mögliche medizinische Relevanz solcher Substanzen (Dossey 2010).
 
Der Einsatz von Substanzen aus der Gruppe der Insekten zur Therapie von Krankheiten wird als Entomotherapie bezeichnet. Die heilende Wirkung verschiedener Insekten ist in vielen Kulturen nichts Neues. So wurde die Stubenfliege (Musca domestica) beispielsweise oftmals zur Behandlung von Furunkeln eingesetzt. Bereits Aristoteles erwähnte die heilende Wirkung von Bienenstichen. Propolis ist ein Harz, das von den Bienen hergestellt wird und gegen eine Vielzahl von verschiedenen Krankheitserregern wirkt wie beispielsweise Bakterien oder Pilze. Bienengift wird verwendet, um Rheuma, Arthritis und chronische Schmerzen zu behandeln (Dossey 2010). Neue Studien deuten darauf hin, dass verschiedene Komponenten im Bienengift auch zur Behandlung von Krebs verwendet werden können (Oršolić 2012).
 
Honeybee, Honigbiene (Apis mellifera)
 
Schaben lösen bei vielen Menschen Ekelgefühle aus. Vor allem weil sie an schmutzigen Orten zu finden sind. Gerade eben weil sie Orte bewohnen, an denen sie mit einer Vielzahl von Krankheitserregern in Kontakt kommen, beinhalten sie zahlreiche antimikrobielle Stanzen, die sie vor Krankheiten schützen. Solche Substanzen können auch in der Medizin von Bedeutung sein. Viele Gespenstschrecken versprühen Abwehrsekrete, in denen sich giftige Substanzen befinden können. In den Augen können solche Sekrete sehr schmerzhaft werden. Das Abwehrsekret von Parectatosoma mocquerysi verursacht auf der menschlichen Haut starke Rötungen. Zudem kann sich nach Kontakt mit dem Sekret die Haut ablösen. Diese Reaktion ist auf zytotoxische Eigenschaften des Sekretes zurückzuführen. Zytotoxine sind für die Medizin von großem Interesse, weil man sie in der Bekämpfung von Krebs einsetzen könnte. Paederidin, eine Substanz aus dem Abwehrsekret eines Kurzflüglers (Paederus fuscipes), greift aufgrund seiner zytotoxischen Eigenschaften die Haut an und verursacht Hautentzündungen und Blasen. Auch diese Substanz wird untersucht, ob sie in der Krebsbekämpfung eingesetzt werden kann (Dossey 2010). 
 
Die Larven der Goldfliege (Lucilia sericata) ernähren sich von den Überresten verendeter Tiere. Ein Tierkadaver stellt eine regelrechte Hochburg für verschiedene Krankheitserreger dar. Die Larven produzieren deshalb eine Vielzahl antimikrobieller Stoffe, um sich selbst vor Krankheiten zu schützen. Unter anderem wirken sie gegen Staphylococcus aureus, Staphylococcus pyogenes und Pseudomonas aeruginosa. Sie sind zudem relativ stabil und stellen somit viel versprechende Vorläufer zukünftiger Antibiotika dar (Kerridge et al. 2005). Die ach so ekligen Maden sind also unter Umständen viel sauberer, als wir es uns vorstellen. Die Larven von Goldfiegen werden auch zur Behandlung von chronisch entzündeten Wunden herangezogen. Dabei werden desinfizierte Maden in die Wunde gelegt. Diese ernähren sich vom abgestorbenen Gewebe. Nachdem dieses vollständig entfernt wurde, kann die Wunde abheilen (Fleischmann et al. 1999).
 
Auch aus der Stubenfliege (Musca domestica) konnte man antimikrobielle Komponenten isolieren. Eine davon war 1-Lysophosphatidylethanolamin. Die Anwesenheit antibakterieller Stoffe erklärt auch, warum zerriebene Stubenfliegen zur Behandlung bakterieller Erkrankungen eingesetzt werden, wie wir es im Beispiel zu Beginn gesehen haben (Meylaers et al. 2004).
 
Der Gesamtheit an pharmakologisch aktiven Substanzen verschiedener Insekten ist ein wertvoller Schatz, den wir nicht verlieren sollten. Selbst unheilbare oder sogar gefährliche Krankheiten, wie HIV, Krebs, Alzheimer, multiple Sklerose, und noch viele mehr, könnten mithilfe von Insektengift geheilt werden. Schon in naher Zukunft könnten diese kleinen Tiere so manchen schlimmen Krankheiten ihren Schrecken nehmen. Es ist deshalb sehr wichtig, dass wir uns für den Schutz der kleinen Mitbewohner unseres Planeten einsetzen. 
 
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Quellen
-Dossey, Aaron T. (2010): Insects and their chemical weaponry. New potential for drug discovery. In: Natural product reports 27 (12), S. 1737–1757. DOI: 10.1039/c005319h.
-Fleischmann, W.; Russ, M.; Moch, D.; Marquardt, C. (1999): Biosurgery - maggots, are they really the better surgeons? In: Der Chirurg; Zeitschrift fur alle Gebiete der operativen Medizen 70 (11), S. 1340–1346.
-Hallmann, Caspar A.; Sorg, Martin; Jongejans, Eelke; Siepel, Henk; Hofland, Nick; Schwan, Heinz et al. (2017): More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. In: PloS one 12 (10), e0185809. DOI: 10.1371/journal.pone.0185809.
-Kerridge, A.; Lappin-Scott, H.; Stevens, J. R. (2005): Antibacterial properties of larval secretions of the blowfly, Lucilia sericata. In: Medical and veterinary entomology 19 (3), S. 333–337. DOI: 10.1111/j.1365-2915.2005.00577.x.
-Meylaers, Karen; Clynen, Elke; Daloze, Desire; DeLoof, Arnold; Schoofs, Liliane (2004): Identification of 1-lysophosphatidylethanolamine (C(16:1)) as an antimicrobial compound in the housefly, Musca domestica. In: Insect biochemistry and molecular biology 34 (1), S. 43–49.
-Oršolić, Nada (2012): Bee venom in cancer therapy. In: Cancer metastasis reviews 31 (1-2), S. 173–194. DOI: 10.1007/s10555-011-9339-3.


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