Ein Gift ist per Definition eine Mischung verschiedener Stoffe, welche physiologische Vorgänge und Signalwege im Körper eines lebenden Organismus beeinflussen oder strukturelle Schäden an Zellen, Organen und Geweben verursachen und dadurch ein breites Spektrum an Wirkungen aufweisen, wobei die Wirkung von der relativen Dosis abhängig ist. Einzelne Toxine können synergistisch wirken, wodurch die Gesamtwirkung des Giftes verstärkt wird. Im Allgemeinen wird ein Organismus durch die Wirkung eines Giftes entweder vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigt oder aber das Gift führt zum Tod des betroffenen Organismus. Gifte lassen sich auf verschiedene Art und Weise charakterisieren und einteilen. Tierische Gifte bestehen unter anderem aus Proteinen und Peptiden, Amiden, Alkaloiden, Terpenen und so weiter. Eine Einteilung nach der chemischen Struktur wäre für einen Chemiker sinnvoll. Für den Laien hingegen sollte man Gifte eher nach ihrer Wirkung einteilen.
Die verschiedenen Wirkungsweisen von Giften sind sehr vielfältig. Dennoch lässt sich aber ein gewisses Muster erkennen, das sich hinsichtlich der Wirkung von Giften quer durch das gesamte Tierreich zieht. Verschiedene Gifte richten sich oftmals gegen dieselben molekularen beziehungsweise zellulären Strukturen in verschiedenen Zielorganismen. Eine Vergiftung kann sich in vielerlei Symptomen äußern. Je nach Zusammensetzung und Wirkung kann es zu lokalen oder systemischen Reaktionen kommen. Eine lokale Reaktion tritt nur an der Körperstelle auf, wo man mit dem Gift in Kontakt gekommen ist. Beispiele für lokale Reaktionen wären lokale Rötungen der Haut, die Bildung von Blasen und Quaddeln, Ausschläge, Nekrosen oder Schwellungen. Systemische Reaktionen betreffen hingegen den gesamten Körper und gelten als gefährlicher. Beispiele: Geschwollene Lymphknoten, Schwäche, Abgeschlagenheit, Sehstörungen, Schwindel, Muskelkrämpfe, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Koordinationsschwierigkeiten, Fieber und Schüttelfrost, Hämolyse und Störungen der Hämostase. Im Entfernteren unterscheidet man diesbezüglich auch noch zwischen autopharmakologischen, kardialen, renalen, muskulären und neurologischen Gifteffekten. In dieser Hinsicht kann man Gifte auch noch in Neurotoxine (Nervengifte), Hämotoxine (Blutgifte) und Zytotoxine (Zellgifte) sowie sogenannte Sprading-Faktoren einteilen. Weiters kann man zwischen kardiotoxisch (herzschädigend), hepatotoxisch (leberschädigend), nephrotoxisch (nierenschädigend), myotoxisch (Toxine, welche die Muskulatur angreifen) usw. unterscheiden.
Generell kann man 3 primäre Arten der Giftwirkung unterscheiden, die zu den oben genannten Effekten führen: 1. Gifte, welche strukturelle Schäden an Zellen und deren molekularen Kompartimenten anrichten und so zur Beeinträchtigung des Organismus führen. Beispiele wären verschiedene Phospholipasen A2, welche die Membranen von Zellen angreifen, wodurch diese absterben. 2. Komponenten, welche körpereigene Signalkomponenten imitieren und so wirken, als würden die imitierten Signalkomponenten überexprimiert werden. Peptidasen S1 etwa führen zur vermehrten Freisetzung von Kinin, wodurch eine Entzündungsreaktion zustande kommt. Weitere Beispiele wären Komponenten, welche eine Transmitterfreisetzung verursachen. 3. Komponenten, welche körpereigene Signalkomponenten inhibieren, wodurch der Signalweg blockiert wird. Ein Beispiel hierfür wäre das Gift Vn50 einer parasitären Wespenart (Costesia rubecula), welches Reaktionen des Immunsystems im Opfer der Wespe blockiert, damit die Larve der Wespe den Wirt parasitieren kann, ohne dass eine Immunreaktion eingeleitet wird. Der Begriff „giftig“ kann aber auch als relativ angesehen werden. So können die meisten Stoffe erst ab einer gewissen Menge toxisch wirken, während sie in geringen Mengen keinerlei Symptome verursachen. Unser Körper benötigt bestimmte Elemente, wie beispielsweise Kupfer, Mangan und Zink in geringen Mengen. In hohen Mengen können diese Spurenelemente allerdings toxisch wirken. Kalium ist ein Element, das in unseren Zellen vorhanden ist und unter anderem an bioelektrischen Übertragungsprozessen beteiligt ist. Es ist aber auch im Gift von einigen Tieren wie z.B. Skorpionen enthalten und führt nach einer Injektion zu lokalen Schmerzen, wobei hier auch andere Stoffe beteiligt sind. Ein ungefähres Maß für die Stärke eines Giftes ist der LD50-Wert. Der LD50-Wert wird im Tierversuch ermittelt und stellt die letale Dosis eines Stoffes dar, die bei 50% der Versuchstiere zum Tod führt. Angegeben wird er meist in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Auch wenn der LD50-Wert ein Maß für die Wirksamkeit eines Giftes ist, kann er dennoch nicht als Maß für dessen Gefährlichkeit gesehen werden. Die aufgenommene Menge an Gift ist weitaus wichtiger. Weitere Faktoren, die bei einer Vergiftung eine Rolle spielen: Die Art und der Ort der Aufnahme, der allgemeine gesundheitliche Zustand des Betroffenen und sein Gewicht. Im Falle einer parenteralen Aufnahme etwa durch einen Stich oder einen Biss ist auch die Tiefe der verursachten Wunde wichtig.
 
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